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Joškos Kinder
Flucht und Alija durch Europa, 1940-1943
Josef Indigs Bericht.
Herausgegeben von Klaus Voigt
Berlin, Verlag Das Arsenal 2006
ISBN 3-93110936-4
Im April 1941 wurde eine Gruppe der „Kinder- und Jugend-Alija“ – jüdische
Kinder aus Deutschland und Österreich auf der Flucht nach Palästina – im
kroatischen Zagreb vom Einmarsch der deutschen Truppen überrascht.
Sie konnten zunächst in das von Italien annektierte südliche
Slowenien entkommen, gerieten jedoch bald zwischen die Fronten des Partisanenkrieges
und flüchteten weiter nach Nonantola in Norditalien, wo sie in der „Villa
Emma“ Zuflucht fanden. Im Oktober 1943, als nach Mussolinis Sturz
Italien aus einem Verbündeten des Nazireiches zum besetzen Land wurde,
gelang mit Hilfe der Einwohner von Nonantola die dramatische Rettung der
inzwischen über 70 „Kinder der Villa Emma“. Sie konnten
schließlich in die Schweiz gebracht werden und wanderten von dort
Ende Mai 1945 nach Palästina aus.
Der „Madrich“ (Leiter) dieser Kindergruppe war Josef Indig.
Er war erst 23 Jahre alt, als er in Zagreb von Recha Freier, der aus Berlin
stammenden Gründerin der Jugend-Alija, die Betreuung der Kinder übernahm
und sie auf ihrer vierjährigen Flucht bis nach Palästina begleitete.
Er vermittelte den Kindern die erzieherischen Inhalte und ihm vor allem
verdanken sie ihr Überleben. Indig wurde im kroatischen Virovitica
geboren, wuchs in Osijek auf, wo sein Vater Kantor an der Synagoge war,
und maturierte dort am Gymnasium. In der Familie wurde Deutsch gesprochen.
Schon als Neunjähriger schloss er sich dem zionistischen Jugendverband
Haschomer Hazair an, übernahm früh Leitungsaufgaben und war Mitglied
der Landesleitung für Jugoslawien. Nach der Ankunft in Palästina
nahm er den Nachnamen Ithai an und lebte im Kibbuz Gat.
Bereits im Herbst 1945 schrieb er die Geschichte der „Kinder der
Villa Emma“ nieder. Anhand seines Tagebuches berichtet er überaus
anschaulich von den Schwierigkeiten und Hoffnungen dieser Flucht, von der
Dynamik innerhalb der Gruppe und seiner Rolle als Leiter und Erzieher.
Joškos Kinder ist ein sehr persönliches Zeitzeugnis und eine
wichtige historische Quelle, die zudem einen authentischen Einblick in
die heute nahezu vergessene Gedankenwelt der zionistischen Jugendbewegung
der 1930er und 1940er Jahre bietet.
Das Buch erschien – nach hebräischen und italienischen Ausgaben
- jetzt erstmals in der Originalsprache im Berliner Verlag Das Arsenal.
Der Berliner Historiker Klaus Voigt hat die Geschichte der Kinder
der Villa Emma wissenschaftlich aufgearbeitet. Seine Ausstellung
„Die Kinder der Villa Emma“ wurde 2003 auch in ESRA gezeigt. |