"Sozialpsychiatrie und Psychotraumatologie"Bericht von der Veranstaltung am 20. Oktober 2010 in ESRA Der Vortrag zum Thema „Sozialpsychiatrie und Psychotraumatologie“ fand in den Räumlichkeiten des psychosozialen Zentrums ESRA im Rahmen des neu entstandenen Verbundes „Wiener Vorlesungen zur Sozialpsychiatrie“ statt. Es war dies die zweite Veranstaltung im Rahmen dieser Fortbildungsreihe. Hr. Peter Schwarz, Geschäftsführer von ESRA, eröffnete die Veranstaltung. Der Vortrag wurde von Hrn. Prim. Dr. David Vyssoki, ärztlicher Leiter der Ambulanz ESRA, mit Unterstützung von Hrn. OA Dr. Klaus Mihacek und Fr. Dr. Waltraud Fellinger-Vols von ESRA gehalten. Die Veranstaltung war sehr gut besucht (ca. 180 Personen). Im Rahmen seines Vortrages ging Hr. Prim. Dr. David Vyssoki auf das Thema der angewandten Sozialpsychiatrie in Form der Psychotraumatologie unter Verwendung des interdisziplinären Modells des psychosozialen Zentrums ESRA ein. Ausgehend von der langjährigen Erfahrung, die wir im Rahmen der Behandlung von psychischen und somatischen Spätfolgen des Holocaust (chron. Posttraumatische Belastungsstörung) gesammelt haben, gelang es uns über Jahre ein eigenständiges Modell der Diagnostik, Behandlung, Beratung und Betreuung von schwer traumatisierten Menschen zu entwickeln, wobei sich vor allem das interdisziplinäre Modell als sehr wirkungsvoll erwiesen hat. Das bedeutet eine gleichberechtigte Zusammenarbeit der Abteilung Soziale Arbeit und der Ambulanz zur optimalen Unterstützung von schwer traumatisierten Patienten und Patientinnen. Die sehr genaue Psychodiagnostik sowie daraus resultierend eine für die Situation des Patienten/der Patientin maßgeschneiderte Therapie, sind sehr wichtig. Die Therapie verläuft vor allem im 1. Schritt in Form von Stabilisierung, danach folgt eine an die jeweilige Situation/PatientIn/Trauma angepasste langsame Begleitung und Überleitung zur Psychotherapie. Zusätzlich ist natürlich auch eine moderne Psychopharmakologie, vor allem mit Antidepressiva (SSRI, SNRI) notwendig. Bei Verläufen mit Entwicklung einer massiven Antriebsstörung bzw. wenn PatientInnen sehr unter den Intrusionen leiden, ist auch der Einsatz atypischer Neuroleptika notwendig. Im Laufe der letzten 16 Jahre stellte sich immer wieder die Frage nach der Wichtigkeit des Social Support (siehe die berühmte Studie von C.R. Brewin). Dieser beschrieb darin, dass mangelhafter Social Support dazu führen kann, dass die Traumafolgen besonders schwer verlaufen. Um dies näher zu erforschen, konnten wir gemeinsam mit dem FGÖ eine erstmalige Studie „Child Survivors der NS-Verfolgung in Österreich nach 1945. Mental Health Promotion bei schwerst traumatisierten Menschen. Eine Studie zur Erhebung von ressourcenstärkenden Bewältigungsstrategien“ durchführen. Die Ergebnisse dieser Studie bestätigten die sozialpsychiatrisch wichtige Aussage, wie sehr die Prävention 1. Grades vor dem traumatischen Ereignis bzw. 2. Grades in Kombination mit Social Support dem Patienten/der Patientin am effektivsten helfen kann. Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich unter der Leitung der ärztlichen Direktorin des OWS, Fr. Dir. Marion Kalousek, eine angeregte und interessante Diskussion. |