Der Leopoldstädter Tempel in der Tempelgasse
In den Jahren 1854 – 1858 entstand nach den Plänen des Architekten Ludwig Förster an der heutigen Adresse
Tempelgasse 3-5 der so genannte „große Leopoldstädter Tempel“. Der hohe Innenraum fasste 2.200 Sitzplätze
und 1.500 Stehplätze und war somit der größte in Österreich. Als erster Rabbiner wurde der liberal orientierte
Adolf Jellinek berufen.
Die Fassade war mit rot und gelb gebrannten Tonziegeln verziert, das Innere mit Mosaiken, Stuckfliesen, Maßwerk
aus Muschelkalk und Fenstern mit geschliffenem Glas reich geschmückt.
Am 17. August 1917 brach nach einem Gottesdienst für jüdische Soldaten anlässlich des Geburtstags Kaiser
Karls I. ein Feuer aus. Das Gebäude wurde schwer beschädigt, die Renovierungsarbeiten konnten erst 1921
abgeschlossen werden.
Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurde auch der Leopoldstädter Tempel völlig zerstört. Nur die beiden Seitentrakte
blieben zunächst erhalten. Der südliche Seitentrakt, in dem die Bibliothek der Kultusgemeinde untergebracht war,
wurde im Krieg zerstört und 1951 abgetragen. Der nördliche Trakt blieb erhalten.
Seit 1997 befindet sich an dieser Stelle das psychosoziale Zentrum ESRA. Die von Architekt Martin Kohlbauer 1998
im Original-Maßstab gestalteten weißen Säulen am Eingang vor dem Platz erinnern an die ehemalige Größe des
Leopoldstädter Tempels.
Abbildungen
- Zeitgenössische Postkarte vom Leopoldstädter Tempel.
Jüdisches Museum Wien/Sammlung Stern
- Innenansicht nach den Renovierungsarbeiten 1917-1921, Aquarell von Richard Moser, 1922.
Jüdisches Museum Wien/Sammlung Richard Moser
- Der Leopoldstädter Tempel, Lithographie von C. Waage.
Jüdisches Museum Wien/Sammlung Genée
- Computerunterstützte Rekonstruktion des Leopoldstädter Tempels
Daniela Wallmüller, Diplomarbeit
- Computerunterstützte Rekonstruktion des Leopoldstädter Tempels
Daniela Wallmüller, Diplomarbeit
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